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30. September 2020

Liebe Pfarreiglieder von St. Elisabeth, liebe Besucher unserer Kirchen!

Sorgen, so könnte man glauben, gehörten wie Essen und Trinken zum Leben hinzu – und das nicht nur in sog. „Corona-Zeiten“. Der HERR dachte anders. „Macht euch keine Sorgen!“ (Mt 6,31). Damit wollte ER keinen zu einer gedankenlosen und leichtsinnigen Lebensführung ermutigen. Vielmehr möchte ER uns sagen, dass wir uns vor lauter Sorgen und Angst nicht die Freude am Leben nehmen lassen sollten. Kluge Vorsorge muss mit heiterer Gelassenheit und Vertrauen verbunden sein.

Nehmen wir zwei seiner Gedanken auf. ER weist uns beispielsweise auf die Vögel hin. Damit will ER nicht sagen, dass die Vögel nicht arbeiten; niemand müht sich emsiger um seinen Lebensunterhalt als die Spatzen. Doch sie tun es ohne Kummer, beabsichtigen nicht, sich abzusichern. Oder die Blumen auf dem Feld. Bei diesen handelt es sich um den scharlachroten Mohn und die Anemonen, die in Palästina nur einen einzigen Tag lang blühten und trotz dieser kurzen Lebensdauer von einer solchen Pracht waren, dass jedes königliche Gewand davor verblasste. Waren sie verwelkt, dann benutzte man sie als Heizstoff. Wenn Gott einer Blume von so kurzer Lebensdauer solche Schönheit verleiht, um wie viel mehr wird er sich dann um den Menschen kümmern.

Jesus macht uns damit klar, dass Sorgen ihrem Wesen nach Misstrauen gegen Gott sind. ER ist davon überzeugt, dass die Sorgen sich beherrschen lassen, wenn wir im Heute Gottes leben. Denn das ist das Eigentümliche eines sorgenvollen Menschen: Der Schwerpunkt seines Lebens liegt im Morgen.

Paulo Coehlo hat eine kleine Erzählung verfasst, die den Titel „Das Ende der Angst“ trägt. Darin geht es um zwei Rabbiner, die nichts unversucht lassen, um den Juden im Nazi-Deutschland geistlichen Beistand zu leisten. Zwei Jahre leben sie in ständiger Angst, erwischt zu werden, doch es gelingt ihnen immer wieder, ihren Verfolgern zu entkommen. Dann werden sie doch gefangen genommen. Der erste Rabbiner betet in einem fort, aus Angst vor dem, was ihn erwartet. Der zweite schläft den ganzen Tag. „Warum schläfst du?“, fragt der ängstliche Gottesmann. „Um bei Kräften zu bleiben. Ich weiß, dass ich sie noch brauchen werde“, so der andere. „Aber hast du keine Angst? Wer weiß, was sie mit uns machen werden.“ „Ich hatte Angst bis zu dem Augenblick, in dem wir gefangengenommen wurden. Die Zeit der Angst ist zu Ende; aber heute beginnt die Zeit der Hoffnung.“

Diese Hoffnung hat ihren Grund in dem Wort: „Werft alle eure Sorgen auf IHN, denn ER sorgt für euch!“ (1 Petr 5,7)

Eine Frau, derer wir in diesem Monat Oktober gedenken, hat dieses Schriftwort in besonderer Weise gelebt, uns zum Vorbild: die heilige Sr. Theresia Benedicta a Cruce OCD, Edith Stein. Sie lebte in der Tat so unbekümmert wie die Vögel des Himmels und die Lilien auf dem Feld. Das offenbart uns ihr letztes Wort am Ende eines Briefes, den sie in Westerbork am Vorabend ihrer Deportation nach Auschwitz an ihre Mitschwestern im Karmel von Echt geschrieben hat. Während ein Großteil der Gefangenen voller Verzweiflung war, schilderte Edith Stein ihren Mitschwestern ihren inneren Zustand mit den Worten: „Konnte herrlich beten!“

Daher stammt also unsere Freude: dass wir uns der Allmacht Gottes bewusst werden, die unsere Sorgen trägt, und dass wir den Glauben wagen, dass Gott auch morgen für uns sorgen wird. Machen wir es so, dann wird für uns jegliche Gefahr erträglich, weil wir – von SEINER Hand getragen – „noch heute mit IHM im Paradies sein werden“.

Mit den besten Grüßen und Segenswünschen

P. Michael +